Hof - Wochenlang beschäftigten Drohanrufe rund um eine Realschule in Hof die Polizei. Einer der Anrufe hatte im Juni einen Großeinsatz mit mehr als 1.200 betroffenen Schülern ausgelöst. Nun hat die Kriminalpolizei einen 26-jährigen Tatverdächtigen aus Niedersachsen ermittelt.
Nach einer Serie von Drohanrufen gegen eine Realschule in Hof haben Polizei und Staatsanwaltschaft einen Tatverdächtigen ermittelt. Bei dem Beschuldigten handelt es sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberfranken um einen 26-jährigen Deutschen aus Niedersachsen.
Polizeibeamte durchsuchten am 22. September 2026 die Wohnanschrift des Mannes. Dabei wurden zahlreiche Kommunikationsgeräte und Datenträger sichergestellt. Die Auswertung der sichergestellten Technik dauert an.
Anruf löste Großeinsatz an Hofer Schulen aus
Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Vorfall im Juni. Ein zunächst unbekannter Anrufer hatte eine angebliche Gewalttat mit mehreren Verletzten an der Realschule in der Max-Reger-Straße gemeldet.
Die Polizei reagierte mit einem umfangreichen Einsatz. Die Maßnahmen beschränkten sich nicht nur auf die Realschule, sondern erstreckten sich auch auf das benachbarte Gymnasium.
Im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass es keine Verletzten gegeben hatte und die gemeldete Gewalttat offenbar nur vorgetäuscht worden war.
Der Einsatz hatte erhebliche Dimensionen: Mehr als 1.200 Schülerinnen und Schüler waren betroffen. Neben Polizeikräften aus ganz Oberfranken waren Spezialkräfte aus Mittelfranken und ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Hinzu kamen mehr als 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und THW.
Weitere Drohungen mit Sprengstoff
Mit dem ersten Anruf war die Serie jedoch nicht beendet. In den folgenden Wochen gingen sowohl bei der Polizeiinspektion Hof als auch direkt im Schulsekretariat weitere Anrufe ein.
Dabei soll der unbekannte Anrufer mehrfach mit Sprengstoffanschlägen gedroht haben. Nach Angaben der Polizei setzte sich die Serie bis zum 21. Juni 2026 fort.
Die Kriminalpolizei Hof übernahm die Ermittlungen und tauschte sich unter anderem mit dem Bayerischen Landeskriminalamt sowie Behörden anderer Bundesländer über ähnliche Fälle aus. Zunächst ergab sich daraus allerdings keine entscheidende Spur.
Sprachaufzeichnung bringt Ermittler weiter
Der Durchbruch gelang schließlich über ein anderes Ermittlungsverfahren. Ende Juni erstattete ein Mann bei der Polizeiinspektion Hof Anzeige, nachdem seine persönlichen Daten auf einer Onlineplattform ausgespäht worden waren.
In diesem Verfahren verfügten die Ermittler über eine Sprachaufzeichnung. Durch die Zusammenarbeit zwischen Polizeiinspektion und Kriminalpolizei konnten schließlich Verbindungen zu den Drohanrufen hergestellt werden.
Insbesondere der Vergleich vorhandener Sprachaufzeichnungen führte nach Angaben der Polizei zu einem konkreten Tatverdacht gegen den 26-Jährigen.
Durchsuchung in Niedersachsen
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hof wurde schließlich die Wohnung des Beschuldigten in Niedersachsen durchsucht.
Neben Ermittlern der Kriminalpolizei Hof waren dabei unter anderem niedersächsische Bereitschaftspolizisten und IT-Forensiker im Einsatz. Auch speziell ausgebildete Datenspeicherspürhunde wurden eingesetzt. Zwei Staatsanwälte aus Hof begleiteten die Maßnahmen ebenfalls vor Ort.
Die sichergestellten Geräte und Datenträger sollen nun ausgewertet werden.
Die Ermittlungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Vorfälle in Hof. Staatsanwaltschaft und Polizei prüfen nach eigenen Angaben auch, ob der 26-Jährige mit weiteren vergleichbaren Fällen in anderen Teilen Deutschlands in Verbindung stehen könnte.
Darüber hinaus prüft das Polizeipräsidium Oberfranken, ob die Kosten des umfangreichen Polizeieinsatzes geltend gemacht werden können.
